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STARKE MOTOREN UND SCHNELLE MÄNNER - EINFACH SEXY
Motorsport ist nur was für Männer? Frauen gibts an der Strecke nur als "Boxenluder"? Blödsinn! Nächsten Sonntag, beim WM-Rennen in Hockenheim, werden Tausende weibliche Fans mit "ihren" Renn-Helden zittern. Genau wie gerade beim "Großen Preis von Europa" am Nürburgring. BILD der FRAU-Chefreporterin Stephanie Quandt war dabei.
Nur noch wenige Minuten. Michael Schumachers Ferrari steht schon auf der Startgeraden. Techniker wuseln durch die Reihen checken ein letztes Mal Daten. Benzin wird nachgefüllt. Motoren dröhnen, die Luft flimmert. Die Fahrer besprechen mit ihren Ingenieuren die endgültig Taktik. Renn-Fieber!
Kirsten Kissel (35) auf Tribüne 17 hat dieses Fieber längst gepackt. Tribüne 17 ist ein vertrockneter Wiesenhang ohne Stühle. 125 Mark hat Kirsten für die 3-Tages-Karte hier ausgegeben. Schon seit Donnerstag campt sie mit 12 Kollegen und Verwandten am Nürburgring, ist per Wohnmobil aus Hamburg angereist. "Wir parken am Straßenrand, Verpflegung haben wir dabei - das spart viel Geld." Kirsten ist schon seit vier Jahren Formel-1-Fan, "angesteckt" vom Ehemann, aber das erste Mal live dabei. "Das ist das Größte", sagt sie und stopt aufgeregt ihre dunklen Locken unter eine Michael-Schumacher-Mütze. "Und jetzt gehts los, jetzt gehts endlich los!"
Hochleistungssport. Familienfest. Kirmes. Der Nürburger Grand-Prix-Zirkus ist all das: 300.000 Fans drängeln sich schon Tage vorm Rennstart in den Straßen rund um den Ring, machen aus dem idyllischen Nürburg in der Eifel in Rennsport-Mekka.
Zwischen Imbuss-Buden und Fan-Artikel-Ständen stecken Ines Sauter (54) und Uschi Kyritz (52) aus Wiesbaden fest: "Sollen wir uns diese knallrote Ferrari-Jacke kaufen?", überlegen sie gerade. "Die kostet 250 Mark, das ist irre teuer!" Aber immerhin ein echtes Schumi-Souvenir...
"Also ich sag dir" meint Uschi, im "Fernsehen kommt das gar nicht rüber, was die Fahrer leisten wie viel Kraft und Technik in diesem Sport stecken. Der Sound der Motoren ist einfach der Wahnsinn!". Und ohne Ohrstöpeln kaum zu ertragen. "Das gehört dazu", sagt Edeltraud Urciuoli (51), "wir sind doch nicht zum Plaudern hier!" Mit ihrer Bekannten Heidi Gerlach (35) steht sie auf der Tribüne und umklammert ihre Michael-Schumacher-Flagge. Jedesmal, wenn der rote Ferrari-Flitzer für Sekunden mit über 300 km/h an ihr vorbei rast, schwenkt sie die Fahne wie wild. "Schumi gewinnt!", ist sie sicher.
Die Frauen campen die zwei Rennnächte am Ring - wie Hunderte andere Fans. Auf dem 300.000 Quadratmeter großen Freizeitpark "Camping am Nürburgring" stehen Zelte und Wohnwagen dicht an dicht. Dazwischen bis zu drei Meter hohe Flaggen, fast alle mit Ferrari-Ross darauf oder dem Konterfei von Michael. Bei den Fans ist der große Schumi noch Sieger im "Bruder-Duell".
"Aber wenn ein anderer gewinnt-dann bitte Ralf. Dann bleibts wenigstens in der Familie", sagt Kirsten.
Ein billiges Vergnügen ist so ein Grand Prix für die Frauen übrigens nicht. Zwar kostet das Campen am Ring nur 19 Mark pro Tag pro Person. Aber "für das Wochenende muss ich insgesamt 1000 Mark hinlegen. Allein für die Karte 320 Mark" erzählt Britta (31), Verwaltungsfachangestellte aus Lübeck. Sie sitzt am Abend vorm Rennen mit Freundin Daniela (29) neben ihrem Wohnwagen und brutzelt Würstchen auf dem Klappgrill. Aus dem Radio von nebenan singt "Anton aus Tirol".
Warum sie sich für so viel Geld nicht lieber eine Woche Mallorca leistet? Britta schnaubt, schüttelt den Kopf: "Die Stimmung hier ist unschlagbar! Starke Motoren und schnelle Männer - eine sexy Kombination! Und wir Formel-1-Fans sind eine eingeschworene Gemeinschaft, jeder hilft jedem. Dafür lohnt es sich zu sparen, dafür nehm ich auch gern mal ein paar Tage Urlaub." Nur Freundin Janet (24) ist noch ein bisschen sauer, weil sie sogar für Söhnchen Nick (1) eine Karte kaufen musste: "Für 110 Mark! Unverschämt." Aber deshalb zu Hause bleiben? Jannet grinst: "Nichts da. Auf keinen Fall!" Formel-1 nur am TV-daran ist auch für Ruth Diederich (63) aus Dortmund nicht zu denken. Ganz Profi-Fan sitzt sie auf einer Zeitung am Tribünen-Hang 17 und kaut am selbstgeschmierten Brötchen: "Mein Mann und ich kommen seit zehn Jahren an den Ring. Das ist wie Sucht!"
Längst kennen sich die Frauen in Sachen Motorsport genau so gut aus wie die Männer. "Schumi siegt mit zwei Boxen-Stopps", prophezeit Maria (23) auf der Haupttribüne. "Der hat seinen Bruder Ralf doch schon beim Start total brutal abgedrängt", schimpft dagegen Bettina (32), "der Kerl ist der reinste Bulldozer". "Wir sind sowieso für David Coulthard", verkünden Inka (18), Linda (18) und Steffi (16), die für ihren Trip an den Ring ("die 390-Mark-Karten haben wir uns zu Weihnachten und zum Geburtstag schenken lassen") sogar einen Tag Schule schwänzen. Dann kommt Runde 18, Ralfs Regel-Verstoß nach dem Boxen-Stopp: "Weiße Linie überfahren, zehn Sekunden Zwangspause-Bruder-Kampft entschieden. Nach 67 Runden holt Michael seinen 5. SaisonSieg. "Jetzt hat er schon am 29. Juli in Hockenheim als Weltmeister feststehen!"
Werner Hader (48) aus Hamburg nickt anerkennend: "Die Frauen kennen sich echt aus!" Fachsimpeln über Pole Position, WM-Punkte, Rundenzeiten. "Na und?", fragt Anja Braun (32) aus dem Saarland. "Ist doch nichts dabei." Schließlich ist die Versicherungsfachfrau mit Freundin Susanne Bleeck (33) schon bei ihrem x-ten Live-Rennen. Wir waren sogar schon ein paar Mal in der Boxengasse", erzählen sie. Und kommen nächstes Jahr garantiert wieder: "Ist doch egal, wer gewinnt-wir genießen hier jede Minute! Wir sind eine große Formel-1-Familie!"
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