Am Wochenende ist die Hölle los Trierer Volksfreund Juli 2000
Das tiefe Gebrumm der Race-Trucks und nicht das helle Zirpen der Formel-1-Renner wird am Wochenende wieder mehr als 200.000 Fans eines außergewöhnlichen Motorsportspektakels an den Nürburgring ziehen. Für viele Besucher ist der Truck Grand-Prix die schönste Veranstaltung überhaupt. Im Tross dabei sind urige Typen im waschechten Cowboy-Outfit.

Siggi aus Pforzheim und Klaus aus Leonberg haben Ihr Zelte auf dem Campingplatz an der Müllenbachschleife aufgebaut. Seit Sonntag sind sie schon da, denn natürlich wollten sie wieder auf ihren Stammplatz, da muss man eben zeitig da sein. Seit 1965 kommen sie jährlich einmal zum Ring, um das "einmalige Feeling" zu genießen. Seit 16 Jahren ist es das Truck-Wochenende. Die Country roads des Sängers John Denver, die Hymne aller Trucker fans, schallt zum wiederholten Mal aus der Stereoanlage und schon um die Mittagszeit ist Partystimmung. Aus den Nachbarzelten sind Andy, Karola und Gaby gekommen, und ab geht die Post.

Wieder da ist auch Albert. Im vergangen Jahr ist er vor lauter Party gar nicht bis zur Rennstrecke gekommen. Das soll diesmal anders werden. Wer die Rennen gewinnt, ist ihm eigentlich völlig egal, nur Dabeisein ist wichtig.

Ganz anders sieht das Herbert. Er ist Trucker durch und durch, obwohl sein Beruf eigentlich Verwaltungsfachangestellter ist. Sein Idol ist Heinz-Werner Lenz, der Europameister. Zu den Veranstaltungen staffiert er sich aus, als hätte er gerage "Spiel mir das Lied vom Tod" geprobt. Den Stetson tief in das stoppelige Gesicht gezogen, den Kragen des knöchellangen Ledermantels je nach Wetterlage hochgezogen oder nicht, Sporen klirren an den Stiefeln; so zieht er los und ist damit wahrlich kein Einzelfall. Die Weiten Amerikas und die Route 66 sind nicht weit weg, wenn auf dem Ring die Zündschlüssel der Diesel-Giganten auf "Run" gedreht werden.

Die Ansammlung von Helden im Western-Outfit kann in Fort Laramie nicht größer sein. Schließlich gibt es ja auf dem Ring genug trabende Pferdchen unter den Hauben der PS-starken Zugmaschinen. Das Krachen, der tonnenschweren Giganten, wenn sie sich durch das Castrol S drängeln und dabei die Kofflügel fliegen, dazu Country-Musik, und der Trucker-Himmel ist erreicht.

Der größte Wunsch von Herbert ist es, einmal eine Runde im Wagen dabei zu sein. Den Nervenkitzel zu erleben, wenn das riesige Gefährt mit der doppelten Kraft von Michael Schumachers Ferrari auf die nächste Kurve zufliegt und nur unter leichten Antippen der kreischenden, von Wasser gekühlten Bremsen um die Ecke rattert. Das wär'schon was aber es wird für Herbert wohl ein Traum bleiben, den er daheim am Bürotisch träumen kann.

Auf dem 30 Hektar großen Campingplatz an der Müllenbachschleife ist inzwischen auch bei den "Trucker Freunden Hetzebach" die Stimmung angestiegen. Nur bei Wolfgang nicht, der hat heute Spüldienst und platscht missmutig in der Spülschüssel. Die einmalige Atmosphäre ist es, welche die Männer immer wieder zum Truck-Grand Prix zieht. Eine ganze Woche machen Sie Urlaub von Alltag. Schon zum 16. Mai schlafen sie auf harten Brettern im großen Zelt, und selbst von Günter, der schon Rentner ist, kommt kein einziger Klagelaut Über den steifen Rücken.

Jochen Tarrach, Trierer Volksfreund