Jugend und Umwelt ......... (Artikel 3) FAZ 10.03.2003
Bakterien helfen bei der Reinigung.
Die Kläranlage arbeitet nach dem Belebtschlammverfahren / DBU-Förderung.

Zu den Hinterlassenschaften der Großveranstaltungen am Nürburgring gehört nicht nur Müll. Den unvermeidlichen Rest entsorgt eine eigene Kläranlage, in die auch die Abwasser des Campingplatzes "Camping am Nürburgring" und des dortigen Dorint-Hotels geleitet werden.

Als zwischen 1981 und 184 die Grand-Prix-Strecke neu erbaut wurde, mußte erstmals eine zentrale Kläranlage für den Nürburgring errichtet werden. Der Grund: Die Zuschauer wurden auf einen wesentlich engeren Raum konzentriert. Bis dahin gab es für die 22 Kilometer lange Nordschleife dezentrale Anlagen. Wie Heinrich Braun sagt, der vor seiner Pensionierung Werksleiter der Abwasserbehandlungsanlage Nürburgring war, entschied man sich gemäß den Forderungen der Oberen Wasserbehörde für die Technik "Belüftete Teichanlage". Es sei jedoch nicht beachtet worden, daß das Abwasser stoßweise in Großen Mengen - zwischen 4000 und 6000 Kubikmeter - und mit hohen Konzentrationen anfällt. Die Anlage, die Teile des Abwassers der Verbandsgemeinde Kelberg und Adenau reinigt, sei auf 6000 Einwohnerwerte ausgelegt worden; tatsächlich seien jedoch nach Großveranstaltungen bei bestimmten Parametern 40000 bis 50000 Einwohnerwerte angefallen. Auch sei die Belastung durch Stickstoff und Phosphor unterschätzt worden, die fünf- bis sechsmal höher sei im Vergleich zu Abwasser eines gewöhnlichen Haushalts, fügt Braun hinzu. "Wir haben uns damals gegen diese Technik ausgesprochen."

Schließlich mußte ein neues Klärwerk gebaut werden, das 1999 in Betrieb ging und auf Basis des sogenannten SBR-Verfahrens arbeitet: Die Abwasser werden - auf biologischem Weg - durch den Einsatz von Bakterien und anderen Kleinlebewesen nach dem "Belebtschlammverfahren" gereinigt. Die Technik wurde, unterstützt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), auf die Bedürfnisse des Nürburgrings hin entwickelt und angepaßt. Die Kosten von 7,3 Millionen DM teilten sich die Nürburgring GmbH, das Dorint-Hotel und "Camping am Nürburgring"; das Wirtschaftsministerium von Rheinland-Pfalz übernahm einen erheblichen Anteil.

Wie Braun bei einem Rundgang erläutert, beginnt die Abwasserbehandlung dort, wo es anfällt. Am Nürburgring und auf dem Campingplatz erfolgt eine mechanische Vorreinigung mittels einer Rechenanlage. In der Kläranlage werden die Abwässer gesammelt und über ein Pumpwerk in die drei SBR-Behälter mit einem Volumen von jeweils 800 Kubikmetern geleitet. Dort wird das Schmutzgut biologisch und chemisch gereinigt: In den SBR-Behältern werden Abwasser und Belebtschlamm durchmischt und Luft zugeführt. Die Bakterien und Kleinlebewesen erhalten ideale Lebensbedingungen. Damit diese stabil bleiben, das chemische Gleichgewicht gehalten wird und überschüssige Phosphorverbindungen abgeschieden werden, müssen Chemikalien hinzugefügt werden. Nach der Reinigung - bei Großveranstaltungen dauert es laut Braun zwei bis drei Wochen, bis das Abwasser gesäubert ist - wird es über einen Teich in den Trierbach geleitet. Der überschüssige Belebtschlamm wird später landwirtschaftlich genutzt. Wie Rainer Loscheider, der heutige Werksleiter, sagt, besteht die Besonderheit der SBR-Technik darin, daß alle Reinigungsschritte - Belüftung, Durchmischung und Absetzen des Belebtschlamm-Abwassergemisches - im gleichen Behälter zeitlich versetzt ablaufen.

Johanna Taciak, Monika Jaworska, Aleksandra Florek, Daria Stachowiak

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Ruth Volkmann, FAZ